Totaler Reinfall des Qualitätssicherungsprogrammes für Humanenergetiker?

Das Qualitätssicherungs-Programm der WKO sollte die guten von den weniger guten Humanenergetikern in der Öffentlichkeit unterscheiden helfen.

Der Schuss ist offensichtlich nach hinten los gegangen.

Alle gewerblich angemeldete Humanenergetiker in Österreich haben am 22. Dezember 2017 per Email vom Bundesvorstand endlich erfahren dürfen, wie sich diese das weitere Vorgehen der 3. Qualitätsstufe Gold vorstellen.

Nachdem bereits die ersten beiden Anforderungen zur Erreichung der Qualitätsstufen Bronze und Silber in den Augen vieler seriös arbeitenden Energetiker eine Makulatur war, immerhin aber kostenlos, so ist jetzt die Katze aus dem Sack. Was viele vermutet haben: Für die Erlangung des Gold-Status muss bezahlt werden.

Zur Erlangen des Bronzestatus war nur Voraussetzung, sich für die Webinare anzumelden, teilnehmen musste man jedoch nicht.Keiner hat es kontrollieren können, ob man auch tatsächlich vor dem Bildschirm saß. Wer teilgenommen hatte wie ich, musste neben technischen Pannen feststellen, dass die Erläuterungen zum neu konzipierten 3-Säulen-System für Humanenergetiker mehr offene Fragen hinterließen als diese zu schließen.

Zur Erlangen des Silber-Status war neben einer „Wartezeit“ von 6 Monaten (warum?) ein Erster-Hilfe.Kurs notwendig. Der tiefere Sinn dahinter, warum Energetiker, die auf rein energetischer Basis Menschen nur „Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit“ geben dürfen, einen Erste-Hilfe-Kurs benötigen, ist mir bis heute verborgen geblieben. Interessant ist, dass rein theoretisch u.a. Ärzte, die nun als Humanenergetiker gewerblich arbeiten wollen (aus welchem Grunde auch immer) und gerne das Silberabzeichen hätten, den Erste-Hilfe-Kurs nicht mehr zu absolvieren brauchen. Es gibt zwar Ärzte in meinen Energetiker-Seminaren, die offen sind für alternative Heilmethoden und wissen wollen, was hinter ihren eigenen Begrenzungen möglich wäre, aber ich kenne keinen Arzt bisher, der neben seiner Arztpraxis auch noch eine gewerbliche Energetikerpraxis unterhält und mit dem Silberabzeichen werben möchte.

Zur Erlangung des Goldstatus sind nun neben einer aktiven Gewerbeberechtigung, der Absolvierung der Stufe Silber und einer Wartezeit von 3 Monaten 4 neu geschaffene Basismodule zwingend zu absolvieren. In Auftrag gegeben vom Bundesverband wurde die Erarbeitung der 4 Basismodule an eine AGEM GmbH aus Krems,welche Online-Fortbildungen im komplementären Gesundheitsbereich anbieten in Form von schriftlichen E-Learning-Methoden. Handelsrechtliche Geschäftsführerin ist eine Ärztin.

Die 4 Basis-Module sollen folgende Themen behandeln:

  • Unternehmerische Grundlagen
  • Klienten Begleiten – Arbeitsabläufe in der energetischen Praxis
  • Grundlagen der Berufsethik
  • Kommunikation mit Klienten

Und am Schluss muss man durch einen Multiple-Choice-Test mit Mehrfach-Antwort-Möglichkeiten und mit einer 70%igen Bestehensgrenze nachweisen, dass man die Voraussetzung für das Abzeichen in Gold erfüllt hat. Wer letztlich tatsächlich am Computer sitzt und den Test beantwortet, ist ebenso nicht nachprüfbar.

120 EUR für das Goldabzeichen

Für diese vier zwingend vorgeschriebenen Basis-Modelle muss man 120 EUR an das Institut zahlen. Dafür, dass man in einem Test beweisen konnte, dass ein Energetiker auch unternehmerisch handeln, dass man auch erfolgreich mit den Klienten kommunizieren kann (spannend, wie das nachzuweisen wäre) und dass man sich an die vorgegebene Berufsethik auch tatsächlich hält. Auch sollen wir dann das O.K. dafür bekommen, dass unsere Arbeitsabläufe in unserer eigenen Praxis auch wirklich funktionieren.

Für mein Dafürhalten sind das alles Selbstverständlichkeiten, wie ein erfolgreicher und verantwortungsbewußter Energetiker sowieso arbeiten sollte und dies sicherlich auch in diversen Weiterbildungskursen freiwillig vertiefen darf, wenn er mag.

Hier wird aber meiner Meinung nach ein Zwang ausgeübt, der gefährlich nahe an Wettbewerbsverzerrung grenzt. Nach dem Motto: Willst Du einen offiziellen Freibrief dafür, dass Dir bescheinigt wird, dass Du ein goldzertifizierter Qualitäts-Energetiker bist, dann melde Dich schleunigst zum Erste-Hilfe-Kurs (kostet auch was) und bei der AGEM-GmbH an. Alle anderen Ausbildungen zählen nicht und werden auch nicht anerkannt zur Erlangen der Goldplakette.

Wirtschaftkammer Niederösterreich steigt aus!

Nun kommt die Wirtschaftskammer Niederösterreich ins Spiel und hat, noch vor dem Rund-Email des Bundesvorsitzenden Humanenergetik, am 18.12.2017 per Postbrief an alle 4.000 aktiven Humanenergetiker in Niederösterreich die Notbremse gezogen und hat den Ausstieg aus dem bundesweiten Qualitätssicherungs-Programm des Fachverbandes beschlossen.

Die bislang von nur rund 10 % der Energetiker erworbenen Bronze- und von nur 2 % erworbene Silberplakette haben zwar weiterhin Gültigkeit, aber in der Praxis hat da wohl nie ein Hahn nach gekräht. Die Akzeptanz der Humanenergetiker zum Qualitätssicherungs-Programm hielt sich also mehr als in Grenzen.

Die niederösterreichische WKO teilt im besagten Schreiben  weiterhin mit, dass für sie die weitere Teilnahme an diesem sowieso von Anfang an sehr fragwürdigen Programm nicht mehr vertretbar ist. Nach ihrer Aussage hat diese nicht zu kontrollierenden Webinare (Bronzestufe) und die damit einhergehende Zertifizierung von Mitgliedern des freien Gewerbes der Humanenergetiker eine „2 Klassen Gesellschaft“ innerhalb der Branche geschaffen.

Ich habe in der Vergangenheit bereits mehrfach öffentlich und in Videos meine kritische Meinung zu dem ganzen kostenintensiven und zu nichts führenden Zertifizierungsverfahren geäußert. Nun erhalte ich Bestätigung durch den längst überfälligen, jedoch mutigen Schritt der niederösterreichischen WKO, die das Spiel nicht mehr weiter mitspielen will.

Ich habe meine Konsequenz längst daraus gezogen und meine eigene Urkunde und Plakette von meiner Internetseite entfernt. Es ist eher zu einer Negativwerbung für den Energetiker geworden.

Was kommt danach?

Die Niederösterreichische WKO bietet nun eine neu geschaffene „Dienstleister-Vignette“ an, die aussieht wie die Autobahn-Vignette der AssFinag. Sie soll nun kostenfrei sein und bleiben, für alle 8 Berufsgruppen innerhalb der Fachgruppe (vom Tierpflegesalon bis zum Zelteverleiher; jawoll: in dieser Gruppe befinden sich auch die Energetiker – kaum zu glauben) gelten und insgesamt 20 Seminare umfassen.

Neue Dienstleister-Plakette der WKNÖ

Wer sich für die Dienstleister-Plakette bewerben und diese führen will, muss folgende Erklärung schriftlich abgeben:

  • Ich erkläre hiermit ausdrücklich, dass ich im Rahmen meiner Gewerbeausübung das Berufsbild und die Standesregeln beachte sowie alle anderen einschlägigen berufsrechtlichen Vorschriften in der jeweils gültigen Fassung einhalte
  • Darüber hinaus erkläre ich mich bereit, mich laufend weiterzubilden und die jährlichen Weiterbildungsangebote meiner Standesvertretung in Anspruch nehmen. Weiters erkläre ich, dass ich mich mit den von mir angewendeten Methoden in meinem Berufsfeld intensiv befasst habe, beziehungsweise Ausbildungen in diesem Bereichen absolviert habe.

Ich denke – und das ist meine ganz persönliche Meinung – dass man kein Hellseher oder sonst irgendwie medial begabter Mensch sein muss, um vorauszusagen, dass unter der Voraussetzung dieser verpflichtenden Erklärung kaum ein Energetiker diese Plakette begehren wird wollen. Warten wir ab.

Mein Wunsch

Warum dieser ganze Zirkus? Es hat vorher auch ohne irgendeine Zertifizierung oder Plakettierung geklappt. Die Spreu trennt sich sowieso vom Weizen. Der Klient, der die Hilfe eines Energetikers in Anspruch nehmen will, merkt in der Regel sehr schnell, mit wem er es zu tun hat und wird halt weder wiederkommen noch weiter empfehlen. Der Markt reguliert sich selbst. Ich denke, der öffentliche Nachweis der Zugehörigkeit zur gewerblichen Gruppe bei der WKO sollte Nachweis genug sein, dass man ein ordentliches Gewerbe ausübt. Ob der Energetiker es nun gut macht oder weniger, wird sich von alleine regulieren. Der Humanenergetiker-Beruf ist nicht von ungefähr ein freies Gewerbe und wird es auch sicherlich bleiben. Eine Zweiklassen-Gesellschaft bei den Humanenergetikern brauchen wir nicht wirklich.

Viel besser wäre es, wenn nun endlich alle nicht gewerblich angemeldeten, dennoch tätigen Energetiker den Gang zur WKO, Bezirkshauptmannschaft und zum Finanzamt finden und sich registrieren lassen würden. Denn genau diese Gruppe entzieht sich allen Kontroll- und damit auch allen Verantwortungsinstanzen bis hin zur Nichterfassung bei den Finanzbehörden. Sie können deshalb (meist neben ihrem eigentlichen Beruf arbeitende Hobby-Energetiker) sehr viel billiger ihre Dienstleistung (Lebenszeit) anbieten und haben dadurch einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Diese „Schwarzfahrer“ zahlen weder Steuern noch Sozialversicherungen und brauchen in der Regel von den Einnahmen auch nicht zu leben. Sie verzerren erheblich den Wettbewerb zu Lasten der ordentlich arbeitenden, gewerblich angemeldeten Humanenergetiker.

Liebe Berufskollegen und Kolleginnen. Wie seht Ihr das?

Euer Wolfgang T. Müller

 

 

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